Medienlabor

Lehrveranstaltung

Lehrveranstaltungsleitung: Mag.rer.soc.oec. Dr.phil. BA. Barbara Eder

Rückblick auf ein Experiment aus Medienlabor I:

City Lights, oder: Wie man Verbindungen herstellt und verändert

Die Rede vom Intelligent-Werden der Objektwelt ist derzeit in aller Munde. Von selbsttätigen Dingen und smarten Maschinen wird in diesem Zusammenhang gerne gesprochen – von Smart Grids, die qua Zugriff auf Umgebungsdaten die Energieversorgung optimieren, von klugen Robotern, die den täglichen Arbeitsaufwand in Fabrik und Büro reduzieren und von selbstfahrenden Autos, die demnächst den Markt erobern sollen. Sie alle arbeiten mit Sensoren, die Werte – Messdaten zu Temperatur, Feuchtigkeit, Druck, Helligkeit oder Geschwindigkeit – einlesen und verarbeiten können. Was aber steckt dahinter, hinter dem Gerede von den immer intelligenter werdenden Artefakten? Wie interagieren diese mit ihrer Umgebung, wie greifen sie in menschliche Umwelten ein?

In einer Einheit von Medienlabor I haben wir einige Lichtsensoren gebaut, die oftmals bei der Herstellung von Belichtungsmessern – etwa in Fotoapparaten und Videokameras – zur Anwendung kommen. Das in diesem Zusammenhang zentrale Bauelement ist der Fotowiderstand (LDR) – ein lichtempfindlicher Halbleiterwiderstand, dessen Widerstandswert sich bei einfallendem Licht verringert. Dank dieser Eigenschaft lassen sich Lampen – in unserem Fall einfache LEDs – in Abhängigkeit vom jeweiligen Maß an Tageslicht steuern: Im Dunkeln leuchten sie hell auf, bei geringem Lichteinfall reduziert sich ihre Helligkeit.

Beim Helligkeitssensor ist das Verhältnis von Widerstand und einfallendem Licht indirekt proportional – je mehr Licht von Außen auf das Bauelement fällt, desto geringer wird der Widerstand und desto stärker leuchtet die LED.

Beim Dämmerungssensor leuchtet die LED umso stärker, je weniger Licht von Außen auf den Fotowiderstand fällt. Die dazugehörige Schaltung wurde mithilfe eines Transistors und zwei Widerständen realisiert.

Schaltungen, die mit Fotowiderständen arbeiten, demonstrieren, wie einfache elektronische Bauteile in Reaktion auf Umweltbedingungen Zustände verändern können. Sie zu durchdenken und zu realisieren, ist sowohl ein Kunst-Stück als auch ein Akt der Entzauberung. Sobald die dazugehörigen Konstruktionsprinzipien offen liegen – und das tun sie vor allem auch, weil Menschen sie im Netz frei verbreiten – verlieren sie ihren Zauber. Entzauberung ist ein Schritt in Richtung emanzipativer Bildungsarbeit. Sie setzt Neugier voraus – und das Bewusstsein, mehr über die Maschinen wissen zu wollen als die, die sie uns verkaufen wollen.

Videos und Bilder aus dem WS 2017/18.

Text: Barbara Eder

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